ORF-Programmdirektor Prof. Wolfgang Lorenz sieht im Internet KEINE Zukunft und verteufelt die Jugend von heute. Da ist es kein Wunder mehr, dass der durchschnittliche ZIB2-Seher mittlerweile älter als 60 ist. Bam, Oida!
Das ORF-Dialogforum “Public Media & Public Value im 21. Jahrhundert”, das vergangenen Freitag im Rahmen der Elevate-Festival-Eröffnung in Graz über die Bühne ging, wird Herr Lorenz wahrscheinlich nicht so schnell vergessen.
Was sich da abgespielt hat, hat Sebastian Bauer live erlebt und gleich im ach so bösen Quotenkiller Internet verbreitet:
„Unglaublich, was sich gerade beim ORF-Dialogforum zum Thema “Public Media & Public Value im 21. Jahrhundert” im Rahmen des Elevate abgespielt hat. Am Beginn nicht viel Unerwartetes, nicht langweilig, aber eben nicht sensationell.
Bis auf einmal Prof. Wolfgang Lorenz, der Programmdirektor Fernsehen des ORF, von einem “scheiß Internet” zu reden beginnt. Hat er das gerade wirklich gesagt, “scheiß Internet”? Er hat! Und wird nicht müde es zu wiederholen, er redet sich geradezu in Ekstase. Die Jugend von heute sei nicht in der Lage sich richtig zu artikulieren. Außer in Postings im Internet. Und ihm sei es “scheißegal”, was wir in diesem Internet machen würden.
Auf heftigen Widerspruch aus dem Publikum und die Feststellung, dass man im Internet interessantere Angebote finden würde als sie der ORF biete, folgte der Sager des Abends. “Es ist mir scheißegal, ob Sie zuschauen oder nicht.” Wortwörtlich hat er es so gesagt, der Programmdirektor des ORF.“
 ORF TV-Programmdirektor Wolfgang Lorenz // Foto: cycusphussus
Auch von Heinz Wittenbrink, der selbst am Podium saß, werden diese Aussagen bestätigt:
„ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz sprach beim ORF Dialogforum auf dem Elevate Festival vom Scheiss-Internet, forderte die jungen Leute auf, sich da zu äußern, wo sie der ORF auch hören könne, und warf ihnen dann auch noch vor, nicht zu rebellieren. Ich saß selbst auf dem Podium und war zunehmend entsetzt.
Lorenz […] demontierte sich selbst und verhinderte damit übrigens nahezu jede Diskussion über das eigentliche Thema des Abends. Mich hat das ständig wiederholte Scheiss- nicht so sehr gestört wie der Vorwurf, dass sich die jungen Leute „ins Internet verkriechen“.
Die Formulierung zeigt, wie Lorenz das Internet wahrnimmt (oder eben nicht wahrnimmt): als etwas nicht Reales, als etwas, das es eigentlich gar nicht gibt. Was real ist und ernst genommen werden muss, definieren für ihn das Fernsehen und die Massenmedien.“
Laut einem älteren Falter-Interview ist Lorenz süchtig nach Gelingen und Erfolg. Nun darf man gespannt sein, wie es mit der Erfolgsquote des ORF in einigen Jahren aussieht. Wir alle können nur hoffen, dass beim ORF nach Lorenz nicht noch mehr Spezialisten an die Vierte Macht im Staat kommen, die die Augen vor der Realität verschließen.
Blogger Ritchie Pettauer meint dazu:
„[…] wenn der ORF mein und Ihr Steuergeld auch noch verwenden würde, um online zukunftsweisende Cutting-Edge Produkte auf die Beine zu stellen, wenn die Verantwortlichen das Internet als das Medium der Zukunft ansehen würden und beträchtliche Energien in die Erschließung alle Zielgruppen steckten, dann sähe es in Österreich für unabhängige, spannende Online-Medien womöglich fast so düster aus wie in punkto Quote für die Privatsender. Konkurrenz belebt den Markt, aber Monopolisten tun niemandem gut. Und deswegen freue ich mich, dass der Programmdirektor seine Finger vom Scheiß-Internet lässt […]“
Der 64-jährige Fernseh-Programmdirektor hat mit seinen unglaublichen Aussagen ein Beben im Internet ausgelöst. Seit gestern gibt es die gesammelten Twitter-Kommentare unter scheissinternet.at und auf Facebook gibt’s bereits eine Fangruppe mit dem Namen „I ♥ Wolfgang Lorenz – Scheiss Internet“. Gemeinsam wird hier ein offener Brief an den „Medienopa“ verfasst. Der ORF wird darüber wohl kaum berichten.
Auch auf chilli.cc gibt’s einen guten Artikel zum Thema, hier, hier und hier ebenfalls.
Mittlerweile wurde Lorenz vom Standard interviewt:
“Das war ein isoliertes Statement auf eine spezielle Aussage eines Teilnehmers, er interessiere sich nicht für das obsolete Thema ‘Atomkraft’ anhand des Beispiels ‘Der erste Tag’. Darauf die Antwort. […] Ich finde das Internet per se überhaupt nicht Scheiße! Aber ich finde es absurd, dass die Jungen jenseits von Mut und Zivilcourage quasi in den elektronischen Underground abtauchen. Das ist Verlust an gesellschaftspolitischer Relevanz.” (Quelle: derStandard.at/Etat)
Herr Lorenz sollte aufpassen, dass er das noch übriggebliebene ORF-Publikum in der werberelevanten Zielgruppe nicht vergrault. Ich wünsche es ihm nicht.
Den Katastrophenfilm „Der erste Tag“ habe ich übrigens als einer von wenigen gesehen. Mit einer halben Million erreichte der Film nur halb so viele Zuseher wie die „Seitenblicke“.
Aktuell: “Minus 100 Millionen Euro: ORF korrigiert Finanzergebnis nach unten”
Kommentare, anyone?
Stefan Meier // Das Denkfabrikat
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Ich würd eher sagen SCHEISS WOLFGANG LORENZ
Kommentar hinterlassen am 11. November 2008 um 20:17
Sehr geehrte/r Frau/Herr Österreicher,
sind wir den wirklich schon so tief gesunken?
Mit ihrem Kommentar stellen Sie sich selber ins Off.
Grüße
Kommentar hinterlassen am 12. November 2008 um 11:04