DAS  DENKFABRIKAT v2.3  

 3 

Quentin Tarantinos
Inglourious Basterds

 VON Stefan Meier    kommentieren        

Zynische Unterhaltung, Judenverfolgung, Nazihass und kaltblütiges Gemetzel in einen Topf, reichlich intelligent verdrehte Dialoge dazuschütten, über Actionfeuer kochen, mit einer Prise Westernmusik verfeinern. Mit jeder Menge verdrehter Geschichte und einem großen Glas Schauspielkönnen servieren. Fertig. Nazijagd à la Quentin Tarantino. Schmeckt nach „Inglourious Basterds“.


via tumblr

Selten hab‘ ich mich auf einen Film so gefreut. Am Morgen war in der Auslage des kleinen Feldkircher Kinos noch nichts von einer Ankündigung zu sehen. Erstmal Verwirrung. Donnerstag. Naja, Vorpremiere des Films, nichts angekündigt. Vielleicht doch einen Tag zu früh? Schnell einen Blick ins iPhone eines Freundes geworfen, eines Besseren belehrt worden. Film findet doch statt. Karten reservieren (man weiß ja nie) und Vorfreude genießen. Am Abend im Kino (bei gefühlten 40 Grad), weniger los als erwartet. Wahrscheinlich diese ominösen Torrents. Jugend von heute? Filme im Kino ansehen ist ja was für die ältere Generation, fast schon Schnee von vorgestern. Und noch dazu Geld dafür ausgeben! Ach was, gestern tat ich‘s wieder. Und ich hab rein gar nichts bereut.


via michael.mind-exchange.com

Perfekte Eröffnungsszene. Total durchgeplant, extrem spannend und doch bis zum Schluss offen. „Judenjäger“ Hans Landa besucht einen französischen Milchbauern und bezichtigt ihn, eine jüdische Familie bei sich zu verstecken. Ein ewig langer Dialog, der auf seinem Weg zum Ziel viele Kreuzungen überquert, sich mal ein wenig verirrt, mal fast stehenbleibt, wieder Fahrt aufnimmt und schließlich mit überhöhter Geschwindigkeit ins Ziel rast und eskaliert – wie so oft bei Tarantino. Das beobachtende Kameraauge ist immer dabei, aus dem besten Blickwinkel. Und Pfeifenqualm. Doch seht selbst…

Grobe Handlung, Kapitel 1 bis 5
Lt. Aldo Raine stellt in einer britischen Kaserne eine jüdische Einheit zusammen, die hinter den feindlichen Linien in Frankreich abgesetzt wird und deren Aufgabe es ist, möglichst viele Nazis zu töten. Damit wollen die Amerikaner Angst und Schrecken verbreiten – was ihnen auch gelingt. Ohne Skrupel töten sie einen deutschen Soldaten nach dem anderen. Beizeiten lassen sie einen am Leben, ritzen ihm ein Hakenkreuz in die Stirn und schicken ihn fort, um von deren Greueltaten zu berichten und die Angst zu schüren. Bei den Deutschen erhalten sie den Spitznamen „Basterds“ – eigentlich Bastards. Verstärkt durch den wahnwitzigen deutschen Verräter Hugo Stieglitz (gespielt von Till Schweiger), der einst 15 SS-Offiziere tötete, ziehen sie lustig mordend durch Frankreich. Ein besonderes Highlight der Bande ist der deutsche Köpfe zertrümmernde „Bärenjude“.

Lt. Aldo Raine: “Each and every man under my command owes me one hundred Nazi scalps!”

Gestapo-Mann Hans Landa (gespielt von Christoph Waltz) ist mit seinem fast übersinnlichen Gespür und seiner feinen Nase für falsche SS-Offiziere, Juden und andere „Seuchen“ der Gegenspieler der Guerilla-Kämpfer. Er selbst bezeichnet sich als guten Detektiv, wird aber überall nur der „Judenjäger“ genannt.

Fredrick Zoller (Daniel Brühl) ist ein gefeierter Kriegsheld. Als Scharfschütze schoss er allein 300 feindliche Soldaten von einem Turm aus ab. Guter Stoff für den Propagandafilm „Der Stolz der Nation“, der von Göbbels persönlich betreut wird. Zoller überredet Göbbels, den Film im Kino der jungen Emmanuelle Mimieux uraufzuführen, für die sein Herz seit kurzem schlägt. Selbst Hitler soll zur Premiere kommen, was die hübsche Besitzerin auf einen teuflischen Plan bringt.

Auch die Basterds haben von der Premiere mit großem Naziaufgebot Wind bekommen und machen sich auf den Weg, um das Kino zu sprengen. Doch sie haben nicht mit SS-Landa gerechnet.

Kaltblütiger Showdown.

Hitler bekommt sein Fett weg.

Raine versagt ein wenig – und irgendwie doch nicht.

Landa auch.

Künstlerische Freiheit vs. politische Korrektheit
Wenn im Film schließlich das Kino über die Nazis siegt, sich quasi für den Propagandamissbrauch rächt, so ist das alles andere als wahrheitsgetreu. Schöne Idee und Liebeserklärung allemal – in einem. Tarantino schert sich einen Dreck um historische Begebenheiten, schreibt Geschichte neu.

Der Titel „Inglourious Basterds“ ist übrigens die absichtliche Falschreibung des italienischen Kriegsfilms „Inglorious Bastards“ (Enzo G. Castellari, 1978), den Tarantino als Inspiration verwendete. (via wortvogel)

Man könnte sich nun fragen, wie viele amerikanische Jugendliche in Zukunft wohl denken werden, dass der Zweite Weltkrieg in einem Kino beendet wurde. Das scheint Tarantino egal zu sein. Tarantino ist eben Tarantino, und der steht für üppiges, durchdachtes und kaum hinterfragbares Kino.

Brad Pitt vs. Christoph Waltz
Waltz spielt Pitt in „Inglorious Basterds“ zweifelsohne an die Wand. Ihm strahlt die seelische Abartigkeit aus den Augen. Als diabolischer SS-Mann hat Waltz eine wesentlich stärkere Rolle als Pitt. Christoph Waltz wird wahrscheinlich einen Oscar für seine Rolle als Judenjäger bekommen. Zu recht.

 

Fazit

Kommentar von thisismovie auf YouTube:

„Cooler Film. Vor allem empfehlenswert für die jungen Nazi-Schwärmer in Deutschland.“

Nichts für eine MTV-hirngesiebte Jugend, die keinen dreiminütigen Dialogen mehr folgen kann.
Großes Everything-Goes-Kino mit Stereotypenspiel und ein wenig Westernmusik. Atemberaubende Szenen, aberwitzige Momente, stilsicher gefilmt. Quentin Tarantinos Hommage ans Kino.

 

Drehbuch & Regie: Quentin Tarantino
Christoph Waltz – Col. Hans Landa
Brad Pitt – Lt. Aldo Raine
Till Schweiger – Sgt. Hugo Stiglitz
Daniel Brühl – Fredrick Zoller
Mélanie Laurent – Shosanna Dreyfus
Diane Kruger – Bridget von Hammersmark
Eli Roth – Sgt. Dono Donowitz
USA/Deutschland/Frankreich
153 Minuten
Universal Pictures

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"Quentin Tarantinos
Inglourious Basterds"

Ein Denkfabrikat von Stefan Meier.
Veröffentlicht am 22. August 2009 um 19:27 Uhr,
abgelegt unter Film

Schlagworte: Amerika, Angst, brad pitt, christoph waltz, Deutschland, Drehbuch, Feldkirch, Film, filmtipps.at, frankreich, gemetzel, Geschichte, hitler, hommage, inglourious, inglourious bastards, inglourious basterds, kino, kritik, kruger, künstler, liebe, movie, MTV, nazis, Oscar, quentin tarantino, Rezension, schweiger, Sieg, streichelnazi, Surf Nazis Must Die, Tipps, Trailer, Universal, usa, YouTube

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3 Kommentare »

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  1. michi

    Ich freu mich schon so wahnsinnig auf den Film, das hat es lange nicht mehr gegeben. Mit Freunden abgemachter Termin: Dienstag. “Dank” deiner Zeilen sprengts mich fast vor Neugierde, sollte sie eventuell heute noch zusammentrommeln ;0)

    Thumb up0 Thumb down0

    Kommentar hinterlassen am 23. August 2009 um 12:31 

  2. minz

    Super Film! Genialer Waltz! Muss unbedingt im Originalton gesehen werden, auch wegen Pritts “Aldo Raine” Südstaaten Akzent!
    Allein Daniel Brühl wirkt nicht wirklich wie ein 300 Mann Killer – irgendwie fehlbesetzt.

    Absolut sehenswert!!!

    Thumb up0 Thumb down0

    Kommentar hinterlassen am 25. August 2009 um 12:23 

  3. Reiner

    @minz: sag bloß du hast den haudegen raine verstanden? sensationelles italienisch, bon gschiorno!

    Thumb up0 Thumb down0

    Kommentar hinterlassen am 5. September 2009 um 20:23 

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