DAS  DENKFABRIKAT v2.3  

 1 

Weiter als der Tod

 VON Reiner Kapeller    kommentieren        

„Hospice“ erzĂ€hlt die Geschichte einer Liebe im Kampf gegen den Tod bis hin zu seinem unvermeidlichen Ende, und warum ein Ende kein Ende bedeuten muss.

Bisher war Peter Silbermann musikalisch stets auf Solopfaden unterwegs. FĂŒr die Umsetzung des von Kritikern hochgelobten Debutalbum Hospice benötigte er jedoch die UnterstĂŒtzung anderer. Im Verbund mit Darby Ciccer und Michael Lerner schuf Silbermann ein zehnteiliges Konzeptalbum voll WĂ€rme, Zartheit und etlichen GĂ€nsehautmomenten.
Der Albumtitel „Hospice“, zu deutsch Herberge, steht fĂŒr eine Geschichte voll Zuneigung. In dieser Geschichte ist ein Krankenhaus der Ort an dem Liebe unaufhörlich gegeben wird und darauf nur Schmerz und Wut als Antwort folgt. Silbermann singt von einer reinen Form der NĂ€chstenliebe, die keine RĂŒcksichtnahme auf den eigenen Geist und Körper kennt. Im Zentrum seiner Geschichte steht die Beziehung eines jungen Paares, dessen gemeinsames Leben angegriffen wird und jederzeit abrupt enden könnte. In ihr ist der Krebs ausgebrochen. Sie hat den Kampf lĂ€ngst aufgegeben und ertrĂ€gt die Welt nicht mehr. Er tut sein bestes und kann daran nur verzweifeln. Dennoch weicht er nicht von ihrer Seite, pflegt sie, ertrĂ€gt Beschimpfungen und den ganzen Hass der Welt. Silbermann erzĂ€hlt mit großen EinfĂŒhlvermögen und bleibt stets glaubhaft.

Musikalisch erscheint seine Ausdrucksform verhaltener, von unterschiedlichsten GerĂ€uschen und EindrĂŒcken begleitet. In ihrem verwobenen Konzept, fĂŒhren The Antlers den Hörer ĂŒber lose miteinander verknĂŒpfte Passagen immer wieder auf Inseln der Hoffnung. Die rauschenden und verzerrten Soundkollagen dienen dabei als Wegweiser und wirken zugleich mystisch und sanft. Ihre Kernfunktion finden sie in der Verstrickung einzelner Songperlen zu einem berauschenden Konzeptalbum. Nur selten scheitern sie daran und schweifen zu weit von der einnehmenden AtmosphĂ€re ab. Zerlegt man das Album in seine Einzelteile, bleiben vor allem drei Titel in Erinnerung: Das mit positiven Ionen vollgepumpte „Bear“, das in abgeĂ€nderter Form als „Epilogue“ erneut fasziniert. Auch „Two“ ragt heraus, ist einfach traurig schön. Den Höhepunkt auf „Hospice“ markiert jedoch zweifelsohne „Wake Up“, das in einem erhabenen Finale schließt.

Das Album endet mit dem Tod der Geliebten, lĂ€sst den Hörer aber nicht verloren in einem Loch zurĂŒck. Das akustische „Epilogue“ erzĂ€hlt von einer traumhaften Erscheinung und besiegelt zugleich die Wiedervereinigung einer auseinandergerissenen Gemeinschaft.

9/10 Reiner Kapeller

Diese Rezension ist auch im aktuellen thegap-Magazin 101 zu finden.

French Kiss Records
The Antlers MySpace




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"Weiter als der Tod"
Ein Denkfabrikat von Reiner Kapeller.
Veröffentlicht am 20. November 2009 um 14:27 Uhr,
abgelegt unter Musik

Schlagworte: bear, bed, cancer, community, darby ciccer, death, ende, epilogue, french kiss records, gap magazine, gemeinschaft, Geschichte, herberge, hospice, hospital, kampf, Konzept, krankenhaus, krebs, liebe, michael lerner, myspace, peter silbermann, Reiner Kapeller, story, thegap, tod, tot, two, wake up

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1 Kommentar »

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  1. Stefan Meier

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    Kommentar hinterlassen am 20. November 2009 um 15:31 

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